Rezension: Jamie Oliver – 30 Minuten Menüs

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Jamie Olivers neuestes Kochbuch “Jamies 30 Minuten Menüs” (Amazon Bestell-Link) ist schon jetzt das meist verkaufte Kochbuch aller Zeiten (und vielerorts vergriffen). Doch wird es seinem Titel und dem Nachsatz “Genial geplant – blitzschnell gekocht” auch gerecht? Ich habe das Buch in den letzten Wochen einmal eingehend getestet und die eindeutige Antwort lautet: Jein!

Um es gleich vorweg zu nehmen: dieses Buch ist nichts für Gelegenheitsköche oder gestresste Mitbürger, die ganz schnell was auf den Tisch bekommen wollen. Dieses Buch setzt einiges an Kochwissen und vor allem auch an Kochutensilien voraus. Nur unter Einsatz diverser Küchenmaschinen und mit reichlich (Koch-)Übung sind die Menüs in den avisierten 30 Minuten zu schaffen. Aber mal ehrlich: will man das? Ich persönlich finde es furchtbar unter (Zeit-)Stress zu kochen. Und richtig gut werden die Gerichte meist erst mit etwas Ruhe. Jamie Oliver ist so freundlich dies auch einzugestehen und erwähnt in seinem Vorwort, dass es ihm in erster Linie um die Vermittlung von Tipps und Tricks rund um einfache Gerichte geht. Und dass die Geschwindigkeit dann mit der Übung kommt. Ich habe bisher zusammen mit Freunden fünf der Menüs aus dem Buch ausprobiert und dabei zwischen 45 und 100 Minuten gebraucht.

Die einzelnen Menüs, die meist aus zwei Gängen bestehen, sind dabei sehr gut erklärt und bebildert. Die jeweiligen Schritte sind klar verständlich und in der richtigen zeitlichen Abfolge dargestellt. Probleme tauchen nur dann auf, wenn man eben keine Mikrowelle oder Küchenmaschine benutzt – dann muss man zeitlich etwas experimentieren und abschätzen. Alle bisher getesteten Menüs waren geschmacklich sehr gut: wie immer bei Jamie Oliver war insbesondere die Würzung hervorragend und machte den Unterschied. Gleichwohl muss ich sagen, dass viele der ausgewählten Gerichte nicht besonders außergewöhnlich sind. So war etwa die “superschnelle Hackfleischpfanne” als Gericht schon fast zu banal und mit herkommlichen Rezepten wäre sie sogar noch schneller zubereitbar gewesen. Um das zu kaschieren kitzelt Jamie Oliver an manchen Stellen etwas zu viel aus dem Hobbykoch heraus: da werden Steaks aufrecht stehend gebraten (für die Kruste), was aber eher zu Zeitverlust und Frust als zu einem Extra an Geschmack führt. So bleibt das ganze Buch ein Balance-Akt zwischen gut gemacht, viel gewollt und manches verkannt. Als Herausforderung kommt hinzu, dass einige Gerichte durch die englische Küche geprägt sind, so dass manche Zutaten nicht einfach im Supermarkt, sondern im Spezialitätengeschäft erworben werden müssen.

Wer sich aber zu den ambitionierten Hobbyköchen zählt, kann hier trotzdem einige Rezepte ausprobieren und einige zusätzliche Tipps mitnehmen. Den Fuhrpark an Küchenmaschinen brauch man dabei sicherlich nicht, nur dauert es dann eben auch länger als 30 Minuten. Aber das macht nichts: dafür macht es mehr Spaß!

“Jamies 30 Minuten Menüs. Genial geplant – blitzschnell gekocht” von Jamie Oliver
ISBN 9783831018345, Fester Einband, 288 Seiten, Dorling Kindersley Verlag
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Über Björn

Björn ist in einem Feinkostladen in Hamburg aufgewachsen. Sein Opa hat einen der ersten Selbstbedienungssupermärkte in Deutschland gegründet. Sein Vater ist Schlachtermeister. Seine Mutter hatte den kompletten Feinkostladen im Griff. Mit 13 verkaufte Björn grüne Bananen als 'frisch aus Irland - eine Rarität'. Mit 15 fand er kochen doof, mit 23 konnte er Nudeln mit mehr als Tomatensauce zubereiten. Seitdem wird es beständig besser.

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