zu Besuch: im Pret A Diner, Berlin-Mitte

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Das Pret A Diner verspricht das Gegenstück zu einem klassischen Restaurant zu sein, deshalb existiert es auch nur knapp sechs Wochen: vom 17. Januar bis zum 28. Februar verwandelte die Catering-Firma Kofler die Alte Münze in Berlin-Mitte in ein Pop-Up Restaurant. Also ein kurzzeitig existierendes Restaurant, ein Trend, der insbesondere in den USA sehr beliebt ist. Vollmundig wirbt das Pret A Diner aber gleich mit mehr, der Leitspruch lautet: “This is not a Pop-up Restaurant. This is a dining experience”. Das galt es auszuprobieren und so registrierten wir uns auf der Webseite des Restaurants, bekamen (ganz geheimnisvoll) einen Code, durften uns einloggen und endlich reservieren.

Das Pret A Diner selbst inszeniert sich schon von aussen. In einem düsteren Hinterhof findet sich eine Feuertonne, von dort geht es durch eine automatische Schiebetür zur Rezeption, von dort durch dunkle Kellergemächer mit alten Tresoren zur Garderobe und dann endlich in eine Bar. Hier kann ein erster Apperitiv genommen werden (ein Glas Veuve Clicquot gibt es hier für 11 Euro), bevor man im großen Resturant-Saal platziert wird. Dort finden sich kleine und große Tische in einem langen Raum, der zudem eine Gallerie mit einigen Separees vorhält. Am Ende des Raumes befindet sich die offene Küche, so dass man den Köchen bei ihrem Handwerk auch zu sehen kann.

Alte Münze

Es ist durchaus beeindruckend was die Macher des Restaurants aus dem Raum gemacht haben. Mit viel Liebe zum Details wurde so aus einer alten Produktionshalle (siehe Foto) ein durchaus gemütlicher (wenn auch etwas kalter) Ort. Viele Kerzen, viel indirektes Licht und reichlich natürliche Materialien (Holz, Stoff) wurden dabei verwendet. Wie fast zu erwarten war passend zu diesem Inprompto-Raum auch das Personal gecastet worden: ohne Tattoo oder zumindest auffälliger Frisur war im Pret A Diner wohl kein Job zu bekommen. Das hingegen tut der Qualität keinen Abbruch: das gesamte Personal war sehr freundlich, aufmerksam und auch gut in Hinblick auf zB die Wein-Tipps.

Keine Auswahl hat man hingegen beim Menü. Es gibt nur ein festes 3-Gänge Menü, bestehend aus Vorspeise. Zwischengang und Hauptgericht. Optional gibt es noch zwei Desserts. Das vegetarische Menü kostet 39 Euro, das mit Fleisch ist für 44 Euro zu haben. Die Mineralwasser-Flatrate kostet 5 Euro, die Weine liegen zwischen 24 und 75 Euro pro Flasche. Wir entschieden uns für einen ausgezeichneten 2009er Grauburgunder vom Weingut Lergenmüller in der Pfalz (36 Euro).

Das Pret A Dinner arbeitet in den sechs Wochen seines Bestehens mit drei Sterne-Köchen zusammen, die jeweils das Menü kredenzen. Bei unserem Besuch stand Wahabi Nouri, der in Hamburg das Piment führt, in der Küche. Nouri ist gebürtiger Marrokaner und obwohl er das Land bereits im Alter von 3 Jahren gen Deutschland verliess, sind die Einflüsse seiner Heimat deutlich in seinen Gerichten zu verspüren (mehr zu Nouri in diesem ZEIT-Artikel).

Marrakesch

Inspiration Marroko

Als Vorspeise gab es Petersilienwurzel mit einem Limonenschaum auf denen Pilze drapiert waren, dazu verschiedene Gemüse und Süßkartoffeln, betröpfelt mit Arganöl. Für die Vegetarier Artischocken mit einem Saint-Maure-Käse-Dip und kleinem Tomaten-Ruccola-Salat. Die Vorspeise-Runde ging deutlich an die Vegetarier: der Käse-Dip ein wahrer Genuss. Die Vorspeise für die Fleischesser hingegen sah zwar sehr gut aus, gab dem Gaumen aber wenig Geschmack und Überraschung.

Der Zwischengang war für die Vegetarier eine Suppe aus weissen Zwiebeln, die mit dem Limonenschau aus der Flesich-Vorspeise veredelt wurde: ungewöhnlich und gut. Hier kamen die Limonen viel besser zur Geltung als bei der Vorspeise. Die Fleischesser erhielten zum Zwischengang ein Stück gebeitzten Lachs mit Blumenkohl und Kaffeecreme. Die Kombination von Blumenkohl und Kaffeecreme hat uns sehr gut gefallen, der Lachs hingegen war nicht überraschend. Gleichstand in der zweiten Runde.

Der Hauptgang für die Fleischesser bot eine wunderbar zarte Ochsenschulter, gut gewürztes Kartoffelstampf und eine Gemüse-Tarte. Die Vegetarier erhielten Couscous mit Kichererbsen, Nüssen, Tomate und Karotte, überraschend als süßsaures Gemüse beschrieben. Letzteres war zwar geschmacklich gut, aber wahrlich keine große Überraschung. Wenig innovativ und damit in der Gesamtreihenfolge der enttäuschenste Teil. Klarer Punkt für das Fleisch-Menü.

Als Nachtisch gab es dann noch ein Dreierlei von Zitronensorbet, einer Gewürzpraline mit Banane gefüllt und einem Nussparfait. Letzteres war verzichtbar, das Sorbet und die Gewürzpraline dafür ein Traum, sehr lecker!

Fazit: das Essen war sehr gut, wenn auch nicht in allen Details stimmig und somit nicht die allerhöchste Kategorie. Der Service war ausgezeichnet, die Location schön eingerichtet (aber offenbar etwas schwierig zu heizen). Dennoch bleibt ein kleiner Nachgeschmack und der geht in die Richtung des ‘sehr viel Wollens’. Hier sollte in kurzer Zeit ein hochwertiges Restaurant entstehen (perfekt getimed zu Fashion Week und Berlinale), welches illustren Gästen das ‘Berlin-Gefühl’ vermitteln soll: also die bekannte Mischung aus unfertig, kreativ, ausgefallen und trotzdem guten Essen. Das ist oberflächlich auch gelungen, doch es hapert an den Details, die Authenzität verspüren lassen. Das ist schwer zu erklären, es bleibt ein Gefühl und es kommt vermutlich auch mit einigen der Gäste, die dieses Dining-Experience erleben wollen. Zudem ist es im Preis/Leistungsverhältnis grenzwertig: wir haben für drei Personen deutlich über 200 Euro bezahlt. Gerade die Getränkepreise sind im Detail etwas zu hoch. Mithin: viel gewollt, gut gemacht und doch nicht alle Erwartungen erfüllt.

Wer das Pret A Diner noch ausprobieren möchte: in der Abschlusswoche bis zum 28.2. gibt es an einigen Abenden noch Rest-Plätze über die Webseite zu reservieren.

Pret A Diner, Am Krögel 2, 10179 Berlin
www.pretadiner.com

täglich bis zum 28.2.2011 ab 19:00 Uhr, Reservierung Pflicht
Keine Kreditkarten

Über Björn

Björn ist in einem Feinkostladen in Hamburg aufgewachsen. Sein Opa hat einen der ersten Selbstbedienungssupermärkte in Deutschland gegründet. Sein Vater ist Schlachtermeister. Seine Mutter hatte den kompletten Feinkostladen im Griff. Mit 13 verkaufte Björn grüne Bananen als 'frisch aus Irland - eine Rarität'. Mit 15 fand er kochen doof, mit 23 konnte er Nudeln mit mehr als Tomatensauce zubereiten. Seitdem wird es beständig besser.

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